Fertige SaaS-Bausteine kaufen statt bauen: Auth, Zahlungen, E-Mail, Suche
Jedes SaaS braucht ein paar Dinge, die nichts mit der eigentlichen Idee zu tun haben und trotzdem sein müssen: Anmeldung, Zahlungen, E-Mail-Versand und Suche. Diese Bausteine sind langweilig, technisch anspruchsvoll und kein Unterscheidungsmerkmal. Deshalb kauft man sie fast immer besser ein. Dieser Überblick zeigt die etablierten Anbieter je Baustein und wo das Kaufen an seine Grenze kommt.
Die Bausteine, an denen sich niemand profiliert
Jedes SaaS braucht ein paar Dinge, die nichts mit der eigentlichen Idee zu tun haben und trotzdem sein müssen. Nutzer müssen sich anmelden können. Geld muss hereinkommen. E-Mails müssen zuverlässig ankommen. Und sobald genug Daten da sind, wollen die Nutzer darin suchen. Diese vier Bausteine sind langweilig, technisch anspruchsvoll und für dein Geschäft kein Unterscheidungsmerkmal.
Genau deshalb sollte man sie fast immer kaufen statt selbst bauen. Das ist dieselbe Logik, die wir beim Thema KI selbst bauen oder einkaufen beschrieben haben: Bau das, was dich einzigartig macht, und kauf den Rest von Leuten, die nichts anderes tun. Dass Anmeldung, Abrechnung und Datenschutz zusammen die drei stillen Brocken jedes SaaS sind, haben wir im Überblick zu Auth, Billing und Compliance beschrieben. Hier geht es um die konkreten Anbieter für die vier grössten dieser Bausteine.
Anmeldung und Nutzerverwaltung
Login klingt einfach und ist es nicht. Passwörter sicher speichern, Anmeldung über Google oder Microsoft, Passwort vergessen, Zwei-Faktor, Einladungen ins Team: Das alles selbst und sicher zu bauen kostet Wochen, die besser woanders investiert sind. Fünf Anbieter decken das Feld ab.
Auth0, inzwischen Teil von Okta, ist der am längsten erprobte Dienst und stark, wo es um anspruchsvolle Anforderungen grosser Firmen geht. Clerk ist der moderne, entwicklerfreundliche Anbieter mit fertigen Anmelde-Oberflächen, besonders schnell in gängigen Web-Stacks. WorkOS zielt gezielt auf den Sprung ins Geschäftskundengeschäft, also auf Anmeldung über zentrale Firmen-Logins und die Anbindung an deren Nutzerverzeichnisse. Supabase Auth ist quelloffen und sinnvoll, wenn du ohnehin auf dieser Grundlage baust. Firebase Auth von Google ist der pragmatische Weg für einfache Fälle und mobile Apps, mit grosszügigem Gratis-Einstieg.
Zahlungen
Beim Geld hört die Bastelei auf. Zahlungsabwicklung selbst zu bauen bedeutet, mit hochsensiblen Kartendaten zu hantieren und Anforderungen zu erfüllen, die man besser Spezialisten überlässt. Der internationale Standard ist Stripe, das Karten, Abos und Rechnungslogik abdeckt, sehr gute Entwicklerwerkzeuge mitbringt und inzwischen auch Twint unterstützt, das viele Schweizer Kunden erwarten.
Daneben stehen Schweizer Anbieter, die näher an den lokalen Zahlungswegen sind. Datatrans aus Zürich zielt auf grössere Händler mit eigenem Technikteam. Wallee und Payrexx richten sich stärker an KMU, wobei Payrexx damit wirbt, Karten, Twint und PostFinance über eine Plattform abzudecken, ohne dass du einzelne Verträge mit Kartenherausgebern brauchst. Welche Zahlungswege deine Kunden wirklich erwarten und wie Twint, Karte und Rechnung zusammenspielen, haben wir für den Schweizer Fall gesondert beschrieben, beim Anbinden von Zahlungen in der Schweiz.
E-Mail, die auch ankommt
E-Mails aus der eigenen Anwendung zu verschicken ist leicht. Dafür zu sorgen, dass sie im Posteingang landen und nicht im Spam, ist es nicht. Zustellbarkeit ist ein eigenes Handwerk, und genau das kaufst du bei einem Versanddienst mit ein. Postmark ist bewusst auf Transaktions-E-Mail ausgelegt, also auf Bestätigungen, Rechnungen und Benachrichtigungen, und hat einen guten Ruf bei der Zustellung. Resend ist der junge, entwicklernahe Anbieter, der sich eng in moderne Web-Stacks fügt. Mailgun bietet eine EU-Datenregion, was für datenschutzbewusste Kunden zählt. SendGrid aus dem Twilio-Umfeld deckt hohe Mengen und grosse Anforderungen ab, und Amazon SES ist bei grossem Volumen der günstigste Weg, verlangt dafür aber mehr eigenes Einrichten.
Welcher passt, hängt an Menge und Anspruch. Warum überhaupt so viele Nachrichten im Spam landen und was man dagegen tut, steht im Text zur Zustellbarkeit von E-Mails.
Suche, die niemanden nervt
Sobald ein Produkt genug Inhalte hat, wollen Nutzer suchen, und eine schlechte Suche fällt sofort auf. Auch hier musst du nichts selbst erfinden. Algolia ist der voll gehostete Dienst mit vielen Funktionen, der bei grossem Volumen allerdings ins Geld geht. Meilisearch und Typesense sind quelloffene Alternativen, die schnelle Suche für Endnutzer liefern und sich sowohl gemietet als auch selbst betreiben lassen. Elasticsearch und das offene OpenSearch sind die schweren Geschütze, mächtig bei grossen Datenmengen und komplexen Auswertungen, aber mit deutlich mehr Betriebsaufwand.
Ein Schweizer Vorteil steckt in den quelloffenen Optionen: Sie lassen sich auf Schweizer Infrastruktur selbst betreiben, was für Datenhaltung in der Schweiz das Argument gegenüber einem rein gehosteten Dienst ist.
Kaufen heisst nicht sorglos
So sehr sich das Einkaufen lohnt, ganz ohne Preis ist es nicht. Drei Dinge solltest du im Blick behalten. Erstens die Kosten im Wachstum: Viele dieser Dienste rechnen nach Nutzung ab, und was bei hundert Nutzern günstig ist, kann bei Zehntausenden spürbar werden. Das gehört in die Rechnung, was der Betrieb eines SaaS pro Monat kostet. Zweitens die Bindung an den Anbieter, denn je tiefer ein Dienst in deinem Produkt sitzt, desto schwerer ist der Wechsel. Wie man diese Abhängigkeit begrenzt, ist eine eigene Überlegung wert. Drittens bleibt die Verantwortung für die Sicherheitsgrundlagen bei dir, auch wenn du einzelne Bausteine einkaufst.
Wo die Grenze zwischen kaufen und bauen liegt
Die Faustregel ist klar. Kaufe alles, was ein gelöstes Problem ist und dich nicht von anderen unterscheidet, also Anmeldung, Zahlung, E-Mail, Suche. Bau selbst, was den Kern deines Angebots ausmacht, das, wofür Kunden zu dir kommen und nicht zu einem anderen. Wer diese Grenze falsch zieht und Wochen in einen selbstgebauten Login steckt, verliert Zeit am falschen Ort.
Genau diese Entscheidungen, welcher Baustein gekauft und welcher gebaut wird, treffen wir in unserer SaaS-Produktentwicklung für jedes Produkt neu. Wenn du gerade überlegst, was du einkaufen und was du selbst bauen solltest, sprich mit uns, und wir gehen die Bausteine für dein Vorhaben durch.
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