# Was ist Vibe Coding? Möglichkeiten, Grenzen und ein sinnvoller Einstieg

Vibe Coding macht es möglich, Software über natürliche Sprache zu entwerfen und schrittweise anzupassen. Der Artikel zeigt, wie der Ansatz funktioniert, wofür er sich eignet, welche Risiken Unternehmen beachten müssen und wann professionelle Softwareentwicklung nötig wird.

Was ist Vibe Coding? Kurz gesagt: Du beschreibst einer KI, was eine Anwendung tun soll. Die KI erzeugt oder verändert daraufhin den Code. Du prüfst das sichtbare Ergebnis, gibst weitere Anweisungen und näherst dich so Schritt für Schritt einer funktionierenden Lösung.

Damit können auch Menschen ohne klassische Programmiererfahrung einen Prototyp bauen, einen Ablauf testen oder eine kleine interne Anwendung erstellen. Das senkt die Hürde für erste Experimente deutlich. Es ändert aber nichts daran, dass eine produktive Software sicher, verständlich, wartbar und zuverlässig sein muss.

Für Unternehmen liegt der Nutzen deshalb nicht darin, Softwareentwicklung vollständig zu ersetzen. Vibe Coding hilft vor allem dabei, Ideen schneller greifbar zu machen und bessere Entscheidungen zu treffen.

## Vibe Coding deutsch erklärt

Beim klassischen Programmieren übersetzt eine Entwicklerin oder ein Entwickler Anforderungen selbst in Code. Beim Vibe Coding erfolgt ein grosser Teil dieser Übersetzung über Anweisungen in natürlicher Sprache, sogenannte Prompts.

Eine solche Anweisung könnte lauten:

> Erstelle eine einfache Anwendung, in der Mitarbeitende Kundenanfragen erfassen, nach Status filtern und als CSV-Datei exportieren können.

Die KI schlägt daraufhin eine Struktur vor, erstellt Oberflächen und programmiert Funktionen. Anschliessend folgen weitere Anweisungen:

> Ergänze ein Pflichtfeld für die verantwortliche Person. Zeige eine verständliche Fehlermeldung, wenn kein Name eingetragen wurde.

Der Arbeitsmodus ist dialogorientiert. Statt jede technische Einzelheit selbst zu formulieren, beschreibst du das gewünschte Verhalten und beurteilst das Resultat.

Im engeren Sinn gehört zum Vibe Coding, dass die Person den erzeugten Code nicht vollständig versteht. Sie steuert über das Ergebnis auf dem Bildschirm. Genau das macht den Ansatz zugänglich, aber auch riskant. Eine Anwendung kann korrekt aussehen und trotzdem Fehler bei Berechtigungen, Datenverarbeitung oder Ausnahmefällen enthalten.

Nicht jede Entwicklung mit KI ist daher automatisch Vibe Coding. Professionelle Entwicklerinnen und Entwickler nutzen ebenfalls KI-Assistenten. Sie prüfen jedoch den erzeugten Code, passen die Architektur an, schreiben Tests und übernehmen bewusst die Verantwortung für das Resultat.

## Vibe Coding, No-Code und professionelle Entwicklung

Die drei Ansätze werden häufig vermischt, unterscheiden sich aber deutlich.

| Ansatz | Wie wird gebaut? | Stärke | Typische Grenze |
|---|---|---|---|
| Vibe Coding | Anweisungen an eine KI, die Code erzeugt oder verändert | Schnelles Experimentieren mit individuellen Ideen | Qualität und Risiken sind ohne Fachwissen schwer zu beurteilen |
| No-Code | Visuelle Bausteine und vordefinierte Abläufe innerhalb einer Plattform | Klar abgegrenzte Anwendungen ohne klassische Programmierung | Abhängigkeit von Funktionen, Preisen und Grenzen der Plattform |
| Professionelle Softwareentwicklung | Geplante Architektur, kontrollierter Code, Tests, Reviews und geregelter Betrieb | Verlässliche, langfristig wartbare Produkte | Benötigt mehr Fachwissen, Zeit und Budget |

No-Code hält dich innerhalb eines vorgegebenen Systems. Du kombinierst vorhandene Formulare, Datenstrukturen und Automationen. Das schränkt ein, gibt aber auch Orientierung.

Vibe Coding ist flexibler, weil dabei eigener Code entstehen kann. Diese Freiheit bringt neue Verantwortung mit sich. Abhängigkeiten, Datenbankstrukturen und Sicherheitsentscheidungen sind oft vorhanden, auch wenn du sie in der Oberfläche nicht siehst.

Professionelle Softwareentwicklung unterscheidet sich nicht dadurch, dass jeder Code von Hand geschrieben wird. Entscheidend ist der kontrollierte Prozess. Anforderungen, Architektur, Zugriffsrechte, Tests, Versionierung, Überwachung und Wartung werden bewusst behandelt. KI kann diesen Prozess unterstützen, ersetzt ihn aber nicht.

## Wofür sich Vibe Coding eignet

Vibe Coding ist sinnvoll, wenn du schnell lernen willst und ein Fehler keine ernsten Folgen hat. Geeignete Anwendungen haben einen kleinen Umfang, wenige Abhängigkeiten und ein begrenztes Risiko.

Typische Beispiele sind:

- ein klickbarer Prototyp für ein neues Kundenportal
- eine Demo für einen internen Entscheid
- ein kleines Hilfsmittel für einen manuellen Arbeitsablauf
- eine Oberfläche zum Testen einer Produktidee
- ein Rechner oder Konfigurator mit überschaubarer Logik
- eine temporäre Auswertung mit Testdaten
- ein Versuch, um die Machbarkeit einer Funktion zu prüfen

Ein Produktteam kann damit eine Idee zeigen, bevor es ein vollständiges Konzept ausarbeitet. Marketingverantwortliche können einen interaktiven Entwurf statt einer Präsentation testen. Geschäftsleitungsmitglieder erhalten ein konkreteres Bild davon, was eine geplante Anwendung leisten könnte.

Der Prototyp darf dabei bewusst unvollständig sein. Sein Zweck ist, eine Annahme zu prüfen. Er muss noch nicht jahrelang betrieben werden.

Schlecht geeignet ist Vibe Coding, wenn bereits beim ersten Einsatz viel vom korrekten Verhalten der Anwendung abhängt. Dazu gehören Systeme mit Zahlungen, sensiblen Personendaten, komplexen Rollen, geschäftskritischen Abläufen oder direktem Schreibzugriff auf zentrale Unternehmenssysteme.

## Ein typischer Vibe-Coding-Workflow

Ein guter Einstieg beginnt nicht mit einem langen Prompt, der eine ganze Geschäftsanwendung auf einmal verlangt. Kleine, überprüfbare Schritte liefern meist die besseren Erkenntnisse.

### 1. Eine enge Aufgabe wählen

Formuliere zuerst das Problem, nicht die komplette Wunschlösung. Zum Beispiel:

> Unser Verkaufsteam verliert den Überblick über offene Rückmeldungen nach Erstgesprächen.

Lege danach fest, was der erste Prototyp können muss. Eine Liste mit Kontakt, Datum, verantwortlicher Person und Status kann für den Anfang reichen.

### 2. Grenzen und Daten klären

Entscheide vor dem ersten Prompt, welche Daten verwendet werden dürfen. Für ein Experiment sind erfundene Datensätze oder anonymisierte Kopien die sicherste Wahl.

Halte auch fest, was die Anwendung ausdrücklich noch nicht können soll. Ohne solche Grenzen wächst ein kleiner Versuch schnell zu einem unübersichtlichen System.

### 3. Den normalen Ablauf beschreiben

Erkläre, wer die Anwendung benutzt, welche Eingaben vorkommen und welches Resultat erwartet wird. Ergänze danach Fehlerfälle: Was geschieht bei einem leeren Feld, einem ungültigen Datum oder einem doppelten Eintrag?

Je konkreter das gewünschte Verhalten beschrieben ist, desto besser kannst du das Ergebnis prüfen.

### 4. In kleinen Schritten bauen

Lass zuerst die einfachste Version erstellen. Ergänze danach jeweils eine Funktion. Prüfe nach jeder Änderung, ob bestehende Abläufe weiterhin funktionieren.

Wenn du gleichzeitig Anmeldung, Datenbank, Export, Benachrichtigungen und verschiedene Rollen verlangst, wird es schwierig zu erkennen, welche Änderung einen Fehler verursacht hat.

### 5. Nicht nur die Oberfläche testen

Ein schöner Bildschirm sagt wenig über die technische Qualität aus. Teste falsche Eingaben, ungewöhnlich lange Texte, fehlende Werte und wiederholte Aktionen. Prüfe, wer Daten sehen, ändern und löschen kann.

Bitte die KI auch um eine Erklärung der erzeugten Struktur. Diese Erklärung ist keine unabhängige Qualitätsprüfung, hilft dir aber dabei, unklare Stellen zu erkennen.

### 6. Versionen und Erkenntnisse sichern

Speichere funktionierende Zwischenstände. Dokumentiere, welche Annahmen du getestet hast und welche Entscheidungen offenbleiben. Wenn der Prototyp später an ein Entwicklungsteam geht, ist dieses Wissen oft wertvoller als der erzeugte Code.

### 7. Über die Zukunft entscheiden

Nach dem Test gibt es drei vernünftige Möglichkeiten: den Prototyp verwerfen, ihn als begrenztes internes Werkzeug behalten oder daraus ein belastbares Produkt entwickeln.

Diese Entscheidung sollte bewusst fallen. Dass eine Demo funktioniert, bedeutet noch nicht, dass ihr technisches Fundament für den weiteren Ausbau geeignet ist.

## Welche Kategorien von Vibe-Coding-Tools gibt es?

Unter dem Begriff Vibe Coding Tools werden verschiedene Arten von Werkzeugen zusammengefasst. Die Grenzen zwischen den Kategorien sind fliessend.

Chatbasierte Assistenten erzeugen Code aus einer Beschreibung, erklären bestehende Dateien oder schlagen Änderungen vor. Du überträgst die Ergebnisse selbst in dein Projekt oder lässt einzelne Ausschnitte bearbeiten.

Editorintegrierte Assistenten arbeiten direkt in einer Entwicklungsumgebung. Sie können mehrere Dateien berücksichtigen und Änderungen im Zusammenhang mit einem bestehenden Projekt vorschlagen. Für die Beurteilung dieser Änderungen ist technisches Verständnis hilfreich.

Browserbasierte App-Generatoren verbinden Prompt, Oberfläche, Code und Vorschau in einer Umgebung. Sie eignen sich besonders für schnelle Prototypen. Vor einem produktiven Einsatz solltest du klären, wie sich Code und Daten exportieren lassen und welche Abhängigkeiten bestehen.

Ergänzende Werkzeuge unterstützen beim Erstellen von Tests, beim Prüfen von Code oder bei der Dokumentation. Auch hier gilt: Ein automatisch erzeugter Test beweist nicht, dass die Anwendung sicher oder fachlich korrekt ist.

Bei der Auswahl solltest du weniger auf einzelne Funktionslisten achten als auf grundlegende Fragen: Wem gehört der erzeugte Code? Wo werden Prompts und Daten verarbeitet? Kannst du das Projekt exportieren? Wie werden Änderungen nachvollzogen? Und kann eine andere Person das System später übernehmen?

## Risiken bei Daten und Sicherheit

Für Schweizer Unternehmen beginnt die Risikoprüfung vor dem ersten Prompt. Vertrauliche Kundeninformationen, Personendaten, Zugangsdaten und interne Dokumente gehören nicht ungeprüft in ein externes KI-Werkzeug.

Kläre mindestens:

- welche Inhalte gespeichert werden
- wie lange die Speicherung dauert
- ob Eingaben für die Weiterentwicklung des Dienstes verwendet werden
- wo Daten verarbeitet werden
- welche vertraglichen Regelungen gelten
- wer innerhalb des Unternehmens Zugriff erhält

Diese Prüfung hängt vom Werkzeug, vom Vertrag und vom Anwendungsfall ab. Allgemeine Aussagen über «sichere KI» reichen dafür nicht.

Auch der erzeugte Code kann Sicherheitsprobleme enthalten. Besonders kritisch sind Anmeldung, Berechtigungen, Datei-Uploads, Schnittstellen, öffentliche Formulare und der Umgang mit geheimen Schlüsseln. Eine Anwendung kann im normalen Test funktionieren und dennoch fremden Zugriff auf Daten erlauben.

Sobald echte Nutzerinnen und Nutzer, vertrauliche Informationen oder externe Systeme beteiligt sind, braucht es eine fachliche Sicherheitsprüfung. Ein zusätzlicher Prompt mit der Bitte, die Anwendung sicher zu machen, ersetzt diese Prüfung nicht.

## Wartung ist Teil des Produkts

Der erste funktionierende Stand ist oft überraschend schnell erreicht. Danach beginnt die weniger sichtbare Arbeit.

Abhängigkeiten verändern sich. Schnittstellen liefern andere Antworten. Anforderungen wachsen. Fehler treten in Situationen auf, die während des Prototyps niemand getestet hat. Ohne verständliche Struktur, Versionsverwaltung, Tests und Dokumentation wird jede Änderung riskanter.

Für ein internes Experiment mag das vertretbar sein. Bei einem dauerhaft genutzten Werkzeug solltest du beantworten können:

- Wer versteht den Aufbau der Anwendung?
- Wer kann einen Fehler beheben?
- Wie wird eine fehlerhafte Änderung zurückgenommen?
- Gibt es Backups, und wurde die Wiederherstellung geprüft?
- Wie werden Zugriffe entzogen, wenn jemand das Unternehmen verlässt?
- Wer kümmert sich um Updates und Sicherheitsmeldungen?
- Was geschieht, wenn das verwendete Werkzeug nicht mehr verfügbar ist?

Fehlen klare Antworten, besitzt das Unternehmen zwar eine Anwendung, aber noch kein zuverlässig betreibbares Produkt.

## Vibe Coding lernen, ohne unnötiges Risiko

Wenn du Vibe Coding lernen willst, beginne mit einer Aufgabe, die keine echten Unternehmensdaten benötigt. Verwende Testdaten und baue etwas, dessen Ausfall niemanden bei der Arbeit blockiert.

Lerne parallel einige technische Grundlagen. Du musst nicht jede Programmiersprache beherrschen. Du solltest aber verstehen, was eine Datenbank, eine Schnittstelle, eine Benutzerrolle, eine Version und ein Backup sind. Dieses Grundwissen hilft dir, bessere Fragen zu stellen und riskante Vorschläge zu erkennen.

Arbeite jeweils an einer kleinen Änderung, lies die Zusammenfassung der erzeugten Anpassungen und teste bewusst auch falsche Eingaben. Wenn das Werkzeug Codeänderungen anzeigen kann, prüfe sie zumindest auf unerwartete Dateien, eingetragene Zugangsdaten und unnötige Abhängigkeiten.

Behandle den ersten Versuch als Lernobjekt. So entsteht kein Druck, einen ungeeigneten Prototyp später um jeden Preis weiterzuverwenden.

## Wann du stoppen und Fachleute einbeziehen solltest

Der richtige Zeitpunkt liegt vor dem öffentlichen Start, nicht nach dem ersten Sicherheitsproblem. Spätestens bei diesen Signalen braucht das Vorhaben professionelle Unterstützung:

- Die Anwendung verarbeitet echte Personen-, Kunden- oder Zahlungsdaten.
- Externe Nutzer erstellen Konten oder erhalten unterschiedliche Berechtigungen.
- Ein Ausfall unterbricht einen wichtigen Geschäftsprozess.
- Die Anwendung schreibt Daten in CRM-, ERP- oder andere Kernsysteme.
- Niemand im Unternehmen kann den Code erklären und zuverlässig ändern.
- Kleine Anpassungen verursachen Fehler an anderen Stellen.
- Anforderungen an Datenschutz, Nachvollziehbarkeit oder Verfügbarkeit entstehen.
- Der Prototyp soll über längere Zeit betrieben und laufend erweitert werden.

Das bedeutet nicht automatisch, dass alles neu gebaut werden muss. Eine technische Prüfung kann zeigen, welche Teile brauchbar sind, welche abgesichert werden können und wo ein sauberer Neubau günstiger ist. Wichtig ist, diese Entscheidung zu treffen, bevor Kunden und zentrale Abläufe vom Prototyp abhängen.

Wenn du Vibe Coding praktisch ausprobieren und dabei einen sinnvollen Aufbau kennenlernen möchtest, kannst du im Workshop [eine App mit KI erstellen](/de/workshops/app-mit-ki-erstellen). Soll aus dem Versuch anschliessend ein dauerhaftes Produkt werden, gehört die Prüfung von Architektur, Sicherheit und Betrieb in die [SaaS-Produktentwicklung](/de/leistungen/saas-produktentwicklung).